Angst ist ungesund

Hast du dich schon einmal mit dem Phänomen der Angst beschäftigt? Falls nicht, ist gerade ein ausgesprochen guter Zeitpunkt dafür. Seit Tagen wird uns Menschen permanent Angst gemacht. Unabhängig davon, wie man selbst zur derzeitigen Infektionswelle steht, ob man die Gefahr für real einschätzt, vielleicht zu einer Risikogruppe gehört oder das ganze Szenario für übertrieben hält, an den Angst auslösenden Faktoren kommt nur derjenige vorbei, der in vollkommener Einöde auf einem Berg lebt.

Aber damit du deine Angst besser verstehen und rationaler mit ihr umgehen kannst, müssen wir sie uns erst einmal genauer ansehen.

Angst wird allgemein als ein reines Gefühl definiert, also etwas, dass sich in unserem Kopf abspielt. Dabei wird ein Aspekt jedoch völlig außer Acht gelassen: Den Einfluss, den Gefühle auf unseren Körper haben. Angst und Furcht sind von der Natur absolut durchdachte Gefühle, die dafür da sind, unser Überleben zu sichern. Schlenderten unsere Vorfahren in der Steinzeit entspannt durch den Wald und begegneten einem Säbelzahntiger, war Angst das absolut richtige Gefühl. Ohne dieses hätte vielleicht der ein oder andere dem Impuls nachgegeben, das flauschige Kätzchen streicheln zu wollen, was wohl im seltensten Falle gut gegangen wäre.

Aber warum und wie genau funktioniert das mit der Angst in unserem System eigentlich? Damit es überhaupt zu solch einem Gefühl kommen kann, müssen wir über einen oder mehrere unserer Sinne etwas wahrnehmen – z.B. hören wir den Säbelzahntiger knurren oder wir sehen einen Fernsehbericht über die Ausbreitung von einem Virus. Diese Wahrnehmungsinformation wird an das Gehirn weitergeleitet und dort mit Erfahrungen, die bereits gemacht wurden, abgeglichen. Hier entscheiden übrigens nicht ausschließlich die eigenen Erfahrungen, auch erlerntes und epigenetisch Vererbtes werden mit abgeglichen und an das für unsere Gefühle zuständige limbische System weitergeleitet. Wurde der Wahrnehmungsreiz als gefährlich eingestuft, geht diese Information über den Hippocampus und die Amygdala, den Mandelkern, weiter, welche wiederum den Hypothalamus davon in Kenntnis setzen, nun doch bitte entsprechend körperlich auf unser Gefühl zu reagieren.

Das, was sich liest wie ein langer Prozess, läuft innerhalb von Millisekunden ab. Schließlich ist Zeit ein entscheidender Faktor, wenn es ums Überleben geht und in akuten Gefahrensituationen entfällt sogar ein Teil des Abstimmungsprozesses und wir reagieren reflexhaft wahlweise mit Flucht, Kampf oder Totstellen, was durchaus auch panikartig ablaufen kann. Hier geht man übrigens davon aus, dass bei den meisten von uns entweder eine Veranlagung zur Flucht oder zum Kampf angeboren ist. Also entweder man bunkert sich mit Toilettenpapier- und Nudelvorräten ein, wobei man von der „gefährlichen“ Außenwelt ins heimische Bunkerexil flüchtet und sich totstellt oder man sagt „Das Virus kann mich mal, das überstehe ich mit links und anschließend bin ich sowieso dagegen immun“ (Kampf).

Bleiben wir aber beim „ordentlich verarbeiteten“ Gefühl der Angst. Hat sich unser System entschieden, dass dieses Gefühl angebracht ist, werden Adrenalin, Noradrenalin, Kortisol und Kortison ausgeschüttet sowie das sympathische Nervensystem aktiviert. Betrachten wir dazu einige der körperlichen Symptome, die dadurch hervorgerufen werden: erhöhter Herzschlag, steigender Blutdruck, die Atemfrequenz erhöht sich, das Verdauungssystem wird runtergefahren, der Blutzuckerspiegel steigt, die Pupillen erweitern sich und besonders auf Hand- und Fußflächen bildet sich kalter Schweiß. Kurz: Unser gesamter Körper steht unter Stress.

Das allein wäre auch gar nicht weiter tragisch, da diese Erscheinungen in unserem Körper dazu beitragen, dass wir schneller davonlaufen oder besser kämpfen können, sie stellen also sicher, dass wir gute Chancen haben, mit dem Leben davonzukommen.

Ist die Gefahr vorbei, der Säbelzahntiger hat sich vielleicht als ein besonders lautes Eichhörnchen entpuppt, übernimmt der Parasympathikus und wo im Körper zuvor noch helle Aufregung herrschte, beruhigt sich die Situation wieder.

Dumm nur, wenn die Gefahr nicht vorrübergeht, sondern über Tage und Wochen lang gefüttert wird. Dann steht unser gesamtes System unter permanenter Anspannung und Dauerstress, schließlich müssen wir ständig damit rechnen, fliehen oder kämpfen zu müssen. Die logische Konsequenz: Nach einer Weile hält unser Körper dieser Dauerbelastung nicht mehr stand und es kommt zu Ausfallerscheinungen. Forscher das Max-Planck-Instituts für Psychiatrie konnten sogar nachweisen, dass diese Dauerangst unser Immunsystem schwächt. Ist der Auslöser für die Angst wie im aktuellen Fall ein Virus, ist diese Folge natürlich die denkbar schlechteste. Für ein starkes Immunsystem trägt eine gute Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse genauso bei wie ein gut eingestelltes Verdauungssystem und regelmäßige, körperliche Betätigung an der frischen Luft, am besten natürlich im Sonnenschein, um ordentlich Vitamin D zu tanken – einigeln und nur noch Dosennahrung konsumieren, ist da eher kontraproduktiv. Doch das wichtigste von allem scheint die Reduktion der inneren Stressoren zu sein, also Gedankendetox.

Du siehst also, Angst hat absolut ihre Berechtigung, da sie unser Überleben sichert, wird sie aber zu einem dauerhaften Zustand, bewirkt sie genau das Gegenteil. Bleibt also die Frage, was du machen kannst, um nicht in diese Angstspirale hineingezogen zu werden und damit auch nicht anfälliger für irgendwelche Erkrankungen wirst. Hier spielt dein Geist eine große Rolle, denn du weißt ja jetzt, dass auch die Angst dort ihren Ursprung hat. Alles, was zu deiner Entspannung beiträgt und das parasympathische System aktiviert, ist gut, um gegen diese Dauerangst vorzugehen. Beruhigende Musik, Meditation, Atemübungen, Ausflüge in die Natur, Essen, ausreichend Schlaf, dein Haustier oder Partner knuddeln und körperliche Bewegung sind nur einige Möglichkeiten, um dich von der Angst zu lösen. Am besten kannst immer noch du selbst beurteilen, was dich entspannen lässt. Und du musst dir auch keine Sorgen machen, dass deine Angst so groß sein könnte, dass du es gar nicht schaffst du zu entspannen. Da unser Körper im Punkt Automatisierung sehr gut aufgestellt ist, kannst du dich gegen die Entspannung genauso wenig wehren wie gegen die Angst. Du kannst aber entscheiden, ob und welches Gefühl dich dauerhaft begleiten soll und welches nicht. Fange schon jetzt an, deinem Leben einen positiven Drill zu geben, mache dir jetzt ein paar schöne Gedanken. Hilfreich dazu ist der Satz „Mir geht es heute ausgesprochen gut“, und beobachte beim Denken des Satzes deine Gefühle.

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2 Gedanken zu „Angst ist ungesund“

  1. Ich danke Dir für deinen wichtigen Beitrag in Zeiten der Ungewissheit und ANGST.

    Besonders der körperlich/ emotionale Prozess und die Auswirkungen der dauer-Angst/ -Stress, den sich zu viele Menschen hin geben wird regelmäßig geleugnet oder akzeptiert- „ist halt so, ich muss schließlich funktionieren…“

    In diesen Zeiten, hat Selbst-Reflexion , zur Ruhe kommen und sich nicht verrückt machen lassen- gerade auf Arbeit- oberste Priorität.

    Schön, das es dich gibt.

    Ich danke Dir.
    Grüße aus Berlin.

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