Bitter ist das neue Süß

Wir Menschen sind darauf programmiert, Süßes zu mögen. Warum genau das so ist, dafür gibt es verschiedene Ansätze. Das Fruchtwasser, das uns noch vor der Geburt an den Geschmack von Süßem gewöhnt, ist genauso eine mögliche Erklärung, wie die süße Muttermilch, die wir zu uns nehmen, kaum dass wir geboren sind. Die wenigsten von uns müssen sich zwingen, einen Löffel Honig oder eine Tafel Schokolade zu essen.

Ganz anders dagegen sieht es mit der Geschmacksnote bitter aus. Wie auch beim Konsum von etwas sehr saurem, ziehen sich beim Genuss von sehr bitteren Nahrungsmitteln die Nerven in unserem Gesicht unweigerlich zusammen. Daran erkennt schon ein Außenstehender, dass wir das, was wir gerade zu uns nehmen, wohl nicht unbedingt mit Genuss in Verbindung bringen.

Bitterstoffe sind auch ein gutes Mittel, um dein Verlangen nach Süßem einzudämmen. Du willst weniger Zucker essen, aber dich überkommt der Heißhunger darauf? Dann nimm etwas zu dir, dass bitter ist und schon verfliegt die Lust auf Süßes.

Die Skepsis gegenüber bitterem Essen hat ein Stück weit durchaus seine Berechtigung. Pflanzen beispielsweise schützen sich durch sogenannte Senfölglykoside vor Fressfeinden und du ahnst es schon: Diese Glykoside haben einen bitteren Geschmack, so dass dem potenziellen Fressfeind direkt der Appetit vergeht und er sich stattdessen einem lieblichen Gänseblümchen zuwendet.

Nun ist es allerdings so, dass für unseren Organismus die Aufnahme von Bitterstoffen ausgesprochen wichtig ist. Sie wirken anregend auf Galle und Leber, können sogar Gallensteine im Anfangsstadium auflösen. Das hört sich schon fast unglaubwürdig an, ist aber tatsächlich nachgewiesen.

Darüber hinaus verbessern die meisten Bitterstoffe das Milieu in deinem Verdauungstrakt und fördern deine Verdauung, da sie die Durchblutung in den für die Verdauung verantwortlichen Stoffe anregen. Übrigens nimmt man aus diesem Grund nach einem schweren Essen auch oft ein Gläschen Magenbitter zu sich, weil dieser die Verdauung in Schwung bringt.

Auch eine antibakterielle und antioxidative Wirkung wurde ihnen nachgewiesen. Da sie bestimmte Bakterien, Pilze und Co. bekämpfen verhindern sie dadurch, dass sich Giftstoffe und freie Radikale, die die Zellalterung beschleunigen, in deinem Organismus absetzen können. Sauer macht lustig, bitter hält jung, könnte man also fast schon sagen.

Aber damit sind wir noch nicht beim Ende der positiven Eigenschaften von Bitterstoffen angekommen. Sie können den Cholesterinspiegel senken und sogar Krebs vorbeugen!

Das liegt daran, dass sie die Leber dabei unterstützen, Giftstoffe abzubauen. Selbst manche Schwermetalle können mithilfe von Bitterstoffen von der Leber neutralisiert werden.

Du siehst also, der regelmäßige Biss in Nahrungsmittel, die bitter schmecken, kann dich vor gesundheitlichen Schäden bewahren und dieses Wissen versüßt den Geschmack doch gleich ungemein.

Genieße demnächst eine Gaumenerfahrung, bei der deine im Dornröschenschlaf befindlichen Bitterstoffrezeptoren auf der Zunge so richtig jubeln.

In welchen Nahrungsmitteln sind Bitterstoffe enthalten?

Die Auswahl von Lebensmittel, in denen Bitterstoffe enthalten sind, ist groß, so dass du bestimmt das ein oder andere finden wirst, dass dir schmeckt. Hier eine kleine Auswahl an Gemüsesorten:

Fenchel, Wirsing, Sellerie, Artischocke, Spinat, Brokkoli, Rosenkohl, Mangold

Salat: Löwenzahn, Radicchio, Endivie, Rucola, Chicorée

Obst: Grapefruit, Blutorange, Pampelmuse, Limette

Und selbst wenn du keine Lust hast, eine ganze Portion an bitterem Gemüse oder Salat zu dir zu nehmen, kannst du dein Essen einfach mit den richtigen Kräutern und Gewürzen verfeinern, in denen ebenfalls Bitterstoffe enthalten sind: Salbei, Thymian, Koriander, Mariendistel, Kurkuma.

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