Grüne Nahrung, rotes Blut – Was Mensch und Baum gemeinsam haben

Der Herbst steht an und neben kühleren Temperaturen, dem Einbringen der Ernte gibt es noch etwas, das die dritte Jahreszeit auszeichnet: Die Blätter wechseln ihre Farbe. 

Der Wechsel von Farben ist in der Natur ein ganz normaler Prozess. Sei es die Tomate, die rot wird, wenn sie sich schämt oder die Banane, die zu Gelb wechselt, wenn sie begast wird. Das entsprechende Gas hierfür wird als „Bananenreifegas“ bezeichnet. Die Zusammensetzung ist 95% NO (Stickstoff) und 5% Ethen (C2H4), besser bekannt als Äthylen.

Spannend eigentlich, kennen wir Stickstoff doch als Produkt der Aminosäure L-Arginin. Es wird über ein Enzym aus eben dieser Aminosäure in der Blutgefäßwand hergestellt. Und der Clou daran: Es weitet die Gefäße und ist in der Lage, den Blutdruck dadurch eventuell zu senken und andere schöne Dinge zu bewirken.

Nun kann ich keinem raten, der unter Bluthochdruck leidet, sich im Obst- und Gemüsegroßmarkt einstellen zu lassen, nur um zeitweilig das so wirkungsvolle Stickstoffmonoxid-Gas einzuatmen. Denn wo kein Sauerstoff ist, ist zumeist auch kein Leben. Also lieber beim L-Arginin bleiben.

Doch zurück zu der Farbe der Natur. Immer wieder erfreut es uns, zu sehen wie im Frühling aus kleinen Knospen wunderschöne Blätter mit filigranen Aderstrukturen heranwachsen. Und mit wenigen Ausnahmen, wie z.B. Rotbuche oder Blütenblätter, sind die allermeisten Blätter grün.

Die „grüne Tinte“ dafür ist in kleinen Kügelchen im Blatt eingebettet, den Chloroplasten. Schon im Biologieunterricht haben wir gelernt, dass in den Blättern die Photosynthese stattfindet, also die Erzeugung von Kohlenhydraten aus zwei so simplen Stoffen, wie Kohlendioxid und Wasser. Hierfür ist noch ein wesentlicher Faktor wichtig: Das Sonnenlicht. Selbst das vom Mond reflektierte Licht soll ein wenig diesen Prozess vorantreiben und es gibt tatsächlich Blumen, deren Blüten sich erst in der Nacht öffnen.

Schon der deutsche Chemiker Richard Martin Willstätter (1872-1942) erhielt für die Erforschung der Pflanzenfarbstoffe Chlorophyll und Anthocyanidine im Jahre 1915 den Nobelpreis für Chemie. Ausschlaggebend hierfür schien vor allem die Entdeckung der Strukturformel des Chlorophylls zu sein. So erstaunlich es klingt, ist dieses grüne Molekül doch fast identisch mit einem roten Molekül, das wir mit uns herumtragen.

Die rote Farbe unseres Blutes stammt von kleinen Gebilden, die sich in den roten Blutkörperchen eingeigelt haben, den Hämoglobinen. Und eben jener Stoff, das Hämoglobin, gleicht dem Chlorophyll wie ein Haar dem anderen. Einziger Unterschied: In der Mitte des Hämoglobins ist Eisen festgehakt und in der Mitte des Chlorophylls stattdessen ein Atom Magnesium. Das erklärt die Farbgebung. Hätte die Natur durch einen frappierenden Irrtum diese kleinen Metallatömchen ausgetauscht, würden wir Menschen grün durch die Gegend laufen und sämtliche Blätter dagegen in knalligem Rot erstrahlen. Dann bräuchten wir uns nur als Nudisten in der Sonne aalen und Photosynthese betreiben, anstatt zu essen.

Zum Glück ist dem nicht so. Wie wir sehen steht am Anfang fast sämtlicher Nahrungsketten die Aufnahme von pflanzlichem Chlorophyll. Für bluttragende Lebewesen geradezu essenziell ist der Verzehr vom Blattgrün, da sich aus diesen Grundbausteinen das lebenserhaltende Blut entwickelt. So stellt sich die Frage, ob bei einer Blutarmut tatsächlich nur ein Eisenmangel vorliegt oder schlichtweg auch die anderen Bausteine für die Blutbildung und damit auch Chlorophyll fehlen? Bitte hierfür den Hausarzt im Falle einer Anämie um Rat fragen.

Vermehrt Grünes auf dem Teller zu haben ist eine gesunde Sache. So sind die darin enthaltenen Ballaststoffe sehr gut für die Anregung der Verdauung, die sekundären Pflanzenstoffe haben bis hin zu Heilkräutern unterschiedliche Wirkungen, die gezielt eingesetzt werden können. Chlorophyll kann Blut bilden und durch den Blattverzehr vermehren sich „vegetarische“ Bakterien im Darm, die das Darmmikrobiom extrem bereichern. 

In meinen Vorträgen propagiere ich den Konsum von Birkenblättern (solange keine Birkenpollenallergie vorliegt). Frisch gepflückte und verzehrte Blätter (Petersilie, Blattsalat etc.) bieten noch den Vorteil, dass sie keine Verluste durch Transport, Trocknung, Lagerung, Zubereitung erlitten haben und damit die volle Energie der Natur bereit halten.

Für Wissbegierige noch etwas: Wissenschaftler stellten sich die Frage, wie die Chloroplasten in die Blätter kamen. So entstand eine Theorie, ähnlich, wie sie für die Säugetiere besteht. Bei diesen besagt die Theorie, dass die Mitochondrien (das sind die Energiekraftwerke in unseren Körperzellen) in grauer Vorzeit einmal durch die Aufnahme von Bakterien in die Körperzellen entstanden sind.

So wird auch die Aufnahme von Bakterien in die Pfanzenzellen und daraus die Bildung von Chloroplasten angenommen.

Diese Theorie wird als Endosymbiontentheorie bezeichnet und wurde von dem deutschen Botaniker Prof. Andreas F. W. Schimper (1856-1901) quasi ins Leben gerufen, indem er die Ähnlichkeit zwischen Cyanobakterien und Chloroplasten im Jahre 1883 feststellte. Unterstützung bekam die Theorie später durch die Russen Konstantin S. Mereschkowski (1905) und Ivan Wallin (1922). Außergewöhnlich hierbei ist, dass Chlorplasten eine eigene Erbinformation (DNA) und eine Doppelmembran außen herum besitzen. Auch hier wiederum Ähnlichkeiten mit den Mitochondrien.

Photosynthese aktive Algen enthalten Chloroplasten. Cyanobakterien (Blaugrünbakterien) gleichen in vielerlei Hinsicht den Chloroplasten und sind wie diese zur Photosynthese fähig und leben überwiegend auf Feuchtböden und im Süßwasser, Gesteinen und Baumrinden.

Fazit: Chlorophyll ist überlebenswichtig und sollte daher ein tägliches Muss auf unserem Teller sein. Für all diejenigen, die dem Salat nur wenig abgewinnen können gibt es zum Glück eine Alternative: Flüssiges Chlorophyll. Dieses Chlorophyllin wird mit oder ohne Minzgeschmack und als Weltneuheit sogar in liposomaler Form angeboten, womit es noch besser vom Darm resorbiert werden kann.

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